Aktuelle Ergebnisse: Weitere Ergebnisse zur hydrolysierten Säuglingsnahrung

Wir hatten in einer früheren Elterninformation bereits berichtet, dass zur Herstellung der hydrolysierten Säuglingsnahrungen verschiedene Verfahren aus der Nahrungsmitteltechnik angewandt werden. Sie haben das Ziel, die Milchbestandteile in kleinere Bruchstücke aufzuspalten, die eine weniger allergene Wirkung besitzen als nicht gespaltenes Milcheiweiß. Je nach Art und Ausmaß der Behandlung werden dabei weniger bearbeitete, sogenannte schwache Hydrolysate, oder stark bearbeitete, sogenannte starke Hydrolysate, unterschieden. Außerdem gibt es, je nach Ausgangseiweiß, Molken- oder Kaseinhydrolysate. Das ursprüngliche Ziel der GINI-Studie war die Beantwortung der Frage, ob Hydrolysat-Nahrungen (d.h. Nahrungen, bei denen die Milcheiweißbestandteile Molke und Kasein im Herstellungsprozess gespalten werden) im Vergleich zu einer konventionellen Säuglingsmilch mit intaktem Kuhmilcheiweiß die Häufigkeit von allergischen Erkrankungen verringern können. Dies konnte inzwischen eindeutig mit „ja“ beantwortet werden: Im Vergleich zu Kindern, die mit einer konventionellen, d.h. nicht hydrolysierten Säuglingsmilch ernährt worden waren, hatten bis zum Alter von 10 Jahren signifikant weniger Kinder aus Allergikerfamilien eine Neurodermitis entwickelt, wenn sie in den ersten 4 Lebensmonaten entweder mit einem schwachen Hydrolysat auf Molkenbasis oder mit einem starken Hydrolysat auf Kaseinbasis ausschließlich oder zusätzlich zur Muttermilch ernährt worden waren.
In der GINI-Studie haben wir ein schwaches Molkenhydrolysat (Beba-HA), ein starkes Molkehydrolysat (HIPP-HA) und ein starkes Kaseinhydrolysat (Nutramigen) sowie eine reguläre Säuglingsmilch verblindet eingesetzt (siehe Foto: verblindete Säuglingsnahrungen der GINI-Studie).

Man war lange davon ausgegangen, dass generell starke Hydrolysate vorbeugend wirksamer sind als schwache. In der GINI-Studie hat sich nun aber gezeigt, dass das starke Kaseinhydrolysat und das schwache Molkehydrolysat eine ähnlich ausgeprägt schützende Wirkung vor Neurodermitis haben, während das starke Molkehydrolysat deutlich weniger wirksam war. Dieses Ergebnis war überraschend und bedeutet, dass nicht alle Hydrolysat-Nahrungen die gleiche schützende Wirkung besitzen und dass für die Wirksamkeit nicht allein der Grad der Spaltung oder das Ausgangseiweiß (Molke oder Kasein) verantwortlich ist. Es wird daher angenommen, dass der Herstellungsprozess selbst für die schützende Wirkung des Hydrolysates verantwortlich ist.

Aus der GINI-Studie (insgesamt 5991 Kinder, davon 2252 Kinder der Interventionsstudie und 3739 Kinder aus der Beobachtungsstudie) wissen wir, dass das Risiko, eine Neurodermitis zu entwickeln, bei Kindern aus Allergikerfamilien doppelt so hoch ist wie bei Kindern ohne familiäres Allergierisiko. Häufig bekommen Kinder, die in den ersten Lebensjahren an einer Neurodermitis litten, im Schulalter Asthma und/oder Heuschnupfen. Aus diesem Grund haben wir zusätzlich untersucht, ob die verschiedenen Hydrolysat-Nahrungen auch die Entwicklung von Asthma und Heuschnupfen beeinflussen. Es hat sich gezeigt, dass sich zumindest bis zum 10. Lebensjahr die schützende Wirkung der Hydrolysat-Nahrungen im Wesentlichen nur auf die Neurodermitis erstreckt. Ob das auch jenseits des 10. Lebensjahres so bleibt, wird derzeit unter Einbeziehung der 15-Jahresdaten analysiert.

Eine ebenso wichtige wie beruhigende Erkenntnis konnte durch die Auswertung der Wachstumsdaten der Kinder im Alter von 6 und 10 Jahren gewonnen werden. Es zeigte sich, dass es im Wachstum der Kinder keinen Unterschied zwischen den Studiennahrungen und der konventionellen Säuglingsformula gab.

Die Erkenntnisse aus der GINI-Studie, der weltweit größten ihrer Art, sind in die internationalen Ernährungsempfehlungen für Kinder aus Allergikerfamilien eingegangen und kommen daher vielen Tausend Kindern zu Gute. Wir danken daher noch einmal von ganzem Herzen allen Familien, Eltern und Kindern, dass Sie an dieser wichtigen Studie – mittlerweile über 15 Jahre – teilgenommen haben und damit das Verständnis über Allergieentstehung und die Möglichkeiten der Allergie-Vorbeugung in einem bestimmten Bereich maßgeblich ermöglicht und erweitert haben.

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